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Versatzstück 20160315 - Die Verbinderei
20039
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Versatzstück 20160315

Versatzstück 20160315

Attributionstheorie

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Theorien, die dem Denken Richtung geben

Die Attributionstheorie stellt die Art der alltäglichen Ursachenzuschreibung in den Mittelpunkt. Ihr Ziel ist es, Verursachungen zu verstehen, vorherzusehen und zu kontrollieren, um so mehr Sicherheit zu gewinnen. Gemäß Fritz Heider, dem Begründer der Attributionstheorie, sind Zuschreibungen auf verschiedenen Ebenen möglich.

Internal oder external

Hierbei wird auf einen Bezugspunkt in einem Akteur oder in der Umgebung des Akteurs und somit auf eine bestimmte Lokalität verwiesen. Der Mensch widmet sich seiner Welt durch Absicht und Anstrengung (Motivationsfaktoren). Er bringt dafür körperliche und geistige Fähigkeiten (Machtfaktoren) mit, die ihm sein Handeln ermöglichen.

Beispiel: Ein Mensch ermächtigt sich durch Training seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten zum Nähen von Kleidung. Um ein bestimmtes Kleidungsstück herzustellen, muss er motiviert sein, d.h. die Absicht entwickeln, dieses Stück zu fertigen und auch die Anstrengung aufbringen, die für die Produktion erforderlich ist.

Im Unterschied zu diesen internalen Faktoren hält die Umgebung externale Schwierigkeiten und Gelegenheiten bereit, die zu überwinden sind bzw. genutzt werden können. In diesem externalen Bereich liegen auch die Einflüsse, die aus den Handlungen andere Menschen resultieren.

Beispiel: Für das Nähen von Kleidung braucht es Garn und Stoffe. Auch der Arbeitsraum und die Qualität der Maschinen ist von Bedeutung.

Stabil oder variabel

Eine zweite Ebene ist die Beständigkeit mit ihren Polen stabil und instabil. Einflüsse, wie zum Beispiel der soziale Status, sind von einer relativ hohen Stabilität. Von einer eher geringeren Beständigkeit sind Einflüsse, die vorübergehender Natur sind, wie zum Beispiel Stimmungen.

Global oder spezifisch

Eine dritte und erst später in die Attributionstheorie aufgenommene Ebene ist die Gültigkeit. Eine Ursache ist von globaler Natur, wenn sie in mehreren Situationen auftreten kann. Sie hat einen spezifischen Charakter, wenn sie nur in ganz bestimmten Situationen von Bedeutung ist.

Praktische Anwendung

Ein Beobachter wird beim Beobachten einer Szene eine Ursachenzuschreibung auf den Ebenen Lokalität, Beständigkeit oder Gültigkeit vornehmen und in der Regel nur eine Ursache hervorheben – zum Beispiel die Anstrengung (Leistungsattribution).

Beobachter unterliegen dabei schnell dem sogenannten „fundamentalen Attributionsfehler“ und suchen die Ursache in einer Person (z.B. Habgier, Faulheit, Arroganz, …) und nicht in dem Wechselspiel mit der Situation, in der sich die Person befindet, wie zum Beispiel den Rollenanforderungen.

Insbesondere im Konfliktfall beurteilen Konfliktparteien in der Tendenz ihr eigenes Handeln wohlwollender, als das Handeln der anderen Partei. Sie kennen ihre Absichten und die Ergebnisse, wogegen sie beim anderen nur die Ergebnisse sehen und sich die Absichten dann hinzudenken.

Das Zusammenspiel der drei Ebenen zeigt sich zum Beispiel im Umgang mit Erfolgen oder Misserfolgen. Ein Mensch kann seine Erfolge oder Misserfolge internal, stabil und global attribuieren. Demnach sieht er sich als eine in allen Situationen sichere Ursache für seine Erfolge oder Misserfolge. Eine Zuschreibung nach dem Muster external, variabel und spezifisch, schreibt die Quelle für einen Erfolg oder Misserfolg äußeren und veränderlichen Faktoren zu, die von Situationen zu Situation variieren. Attributionen dieser Art haben Einfluss auf die Erfahrung von Stolz und Selbstvertrauen. Sie sind daher mal mehr und mal weniger selbstwertdienlich.

Attributionen werden kulturell bedeutsam, wenn sie sich zu gemeinsamen Erwartungen verdichten. Weit verbreitete Überzeugungen, zum Beispiel in Bezug auf die Kontrollierbarkeit von Entwicklungen, sogenannte Kontrollüberzeugungen, werden dann zu Kontrollideologien.